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First Responder in der Feuerwehr Glückstadt

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Nach dem Vorbild der Feuerwehren in den USA leisten seit einigen Jahren auch viele Feuerwehren in der Bundesrepublik Deutschland - seit geraumer Zeit auch in Schleswig-Holstein - Einsätze im Bereich des öffentlichen Rettungsdienstes als so genannteFIRST RESPONDER (Ersthelfer vor Ort). 
Dabei ersetzen die First Responder allerdings in keinem Fall den Rettungsdienst! RTW und / oder Notarzt werden trotzdem benötigt und sind ebenfalls auf dem Weg zum Patienten 

Hintergrund dieser nicht unbedingt feuerwehrtypischen, zusätzlich und freiwillig übernommenen Aufgabe ist vornehmlich, die Zeit zwischen dem Eintreten eines Notfalls und der medizinischen Versorgung durch den Rettungsdienst - also dass sog. Therapiefreie Intervall - zu überbrücken und fachgerechte sowie qualifizierte medizinische Hilfe am Patienten zu leisten. 

Entstanden sind die Einrichtungen der First-Responder-Einheiten aus der Erkenntnis, dass der organisierte und öffentliche Rettungsdienst trotz aller Bemühungen zeitweise und aufgrund eines erhöhten Einsatzaufkommens oder parallel laufender Einsätze den Einsatzort nicht immer zeitgerecht erreichen kann, um weitere gesundheitliche Schäden von dem betroffenen Patienten abzuwenden, wobei in ländlichen Gebieten die durchschnittliche Notfallhäufigkeit die Einrichtung eines zusätzlichen Rettungswagen nicht rechtfertigt !

Der Einsatz- und Zeitvorteil der First-Responder-Einheiten ist im wesentlichen darin begründet, dass die First-Responder der Feuerwehren über sehr kurze Ausrücke- und Anfahrtszeiten verfügen und somit schnell beim Patienten sein können. Um so schneller qualifizierte Hilfsmaßnahmen durchgeführt werden können, desto günstiger ist die Prognose für einen guten Genesungsverlauf und um so kürzer ist im Durchschnitt die nachfolgend notwendige Behandlungszeit für den Patienten.

Der zeitliche Ablauf eines medizinischen Notfalles macht dieses vielleicht deutlich:

Nach dem Kollaps eines Patienten benötigen die Umstehenden (Angehörige, Kollegen, Freunde) etwa 1 Min , bis sie realisiert haben, dass der Patient in Not ist. Danach beginnt oft die Suche nach einem Telefon und manchmal auch noch nach der richtigen Rufnummer.

Kommt dann noch hinzu, dass der zuständige RTW bereits anderweitig im Einsatz ist und dieser Einsatz durch einen RTW aus Itzehoe, Elmshorn oder günstigstenfalls aus einem Bereitstellungsraum heraus wahrgenommen werden muss, wird schnell klar, dass sich die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfs- / Rettungsfristen um ein Vielfaches verlängern und die Eintreffzeiten des Rettungsdienstes bis zu 30 Minuten (im Winter und bei Schlechtwetterlagen noch wesentlich mehr) betragen können.

Somit gewinnt die Frist vom Eintritt des Notfalles, speziell des akuten Kreislaufstillstandes, bis zum wirksamen Beginn der ersten notfallmedizinischen Maßnahmen eine herausragende Bedeutung und jede Minute, die unter 5 Minuten mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden kann, verdoppelt demnach die Chance auf folgenloses Überleben .

Aufgrund der Umstände, dass in der Feuerwehr Glückstadt ohnehin rettungsdienstlich tätiges Personal (Rettungsassistenten, -sanitäter u. medizinisches Pflegepersonal) vorhanden ist und die Feuerwehr Glückstadt in der Vergangenheit immer häufiger zur Erstversorgung bei Notfalleinsätzen angefordert wurde, lag es nahe, eine entsprechende Einheit aus- bzw. fortzubilden und diese, nach Schließung eines Kooperationsvertrages mit der Rettungsdienst Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH), innerhalb der Feuerwehr Glückstadt zu integrieren.

Das für die First-Responder-Einheit ausgewählte Personal absovierte zuvor in 2005 eine Zusatzausbildung im Rettungswesen von 100 Stunden und wird in monatlichen Fortbildungen ständig auf dem neuesten Stand gehalten. Derzeit gehören der First-Responder-Einheit der Feuerwehr Glückstadt insgesamt 16 Kameraden an, welche über eine separate Alarmierungschleife alarmiert werden. Als Einsatzfahrzeug steht dieser Sondereinsatzgruppe der speziell ausgestatte KdoW oder das TLF 16/25 zur Verfügung. Die medizinische Ausstattung für diese Fahrzeuge wurde - wie auch der Kdow - über Sponsoren sowie durch den Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Glückstadt e.V. ermöglicht.

Frühdefibrilation /AED und HLW

Seit November 2004 setzen wir bei Notfällen ein Frühdefibrilationsgerät ein. Zusätzlich zur First-Responder-Ausbildung ist hierfür eine gesonderte Ausbildung und eine regelmäßige Fortbildung notwendig.

Die Chance, einem Patienten, der ein Kammerflimmern erleidet sinkt in jeder Minute nach dem Ereignis um ca. 10 %. Das bedeutet, daß nach max. 10 Minuten eine Aktion gegen dieses Flimmern ergriffen werden muß. Eine reine Herzdruckmassage wird hier nicht zum gewünschten Erfolg führen. Mit dem AED (Automatischer Externer Defibrilator) ist eine Unterbrechung dieses Flimmerns zu erreichen. Anschließend wird durch die Herz-Lungen-Wiederbelebung versucht, das Herz wieder in Gang zu bringen.

Wir als First-Responder haben hier die Möglichkeit innerhalb der kritischen Zeit den Patienten zu defibrilieren. Der Zeitvorteil gegenüber dem Rettungsdienst ergibt sich durch unseren Aufenthalt im Ort und die Ortskenntnis. Diese Möglichkeit ist nicht als Ersatz für den Rettungsdienst gedacht, sondern als lebenswichtige Ergänzung der Rettungskette in Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst.

Das Gerät leitet ein EKG-Bild durch zwei aufgeklebte Elektroden ab, vergleicht dieses dann mit dem internen Speicher und entscheidet dann, ob der Bediener den Schock auslösen kann. Durch die Technik ist gewährleistet, daß bei einem normalen Sinus-Rhythmus kein Elektroschock ausgelöst werden kann.

Das Gerät wurde vom Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Glückstadt beschafft.

Kardio-pulmonale-Reanimation mit AED im Zweier-Team 

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist der Zeitfaktor entscheidend für das Überleben des Patienten, denn jede Minute sinkt die Überlebenschance um ca. 10%. Um diese Chance nutzen zu können ist ein lückenloses Zusammenspiel aller Beteiligten, Angehörigen/ Passanten, First Responder, Rettungsdienst, Notarzt und Klinik von grösster Bedeutung. Um nicht wertvolle Minuten zu verlieren ist eine sofortige Hilfeleistung und ein schneller Notruf durch Ersthelfer von großer Wichtigkeit. Um das therapiefreie Intervall bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu minimieren wurden First Responder Gruppen gegründet, die erweiterte Erste Hilfe bis zur Übernahme durch den Rettungsdienst leisten, so auch in Glückstadt durch die Freiwillige Feuerwehr. Um den Einsatzablauf zu optimieren, d.h. alle Maßnahmen schnell und effektiv anwenden zu können, gibt es im Rettungsdienst und auch bei den First Responder Gruppen einen Reanimationsalgorhythmus, der gelernt und geübt werden muss. Ziel ist eine frühzeitige Diagnosesicherung und das Einleiten der entsprechenden therapeutischen Maßnahmen. 
Bei ca. 90% der Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand liegt anfangs ein Kammerflimmern vor, bei dem die einzige wirksame Therapie die sofortige Defibrillation ist. Deshalb beschaffte die Freiwillige Feuerwehr Glückstadt Jahr 2004 einen Defibrillator (AED). Durch den auf dem Gerät eingespeicherten Algorhythmus führt der AED das Team mit sprachlichen Anweisungen, die je nach Diagnose gegeben werden, durch den Einsatz. Die weitere Vorgehensweise ermittelt das Gerät nach einer Analysephase und einem Abgleich mit dem Algorhythmus selbstständig. Ist eine Defibrillation empfohlen, muss diese manuell ausgelöst werden. Durch diese Vorgaben des AED kann das Gerät auch von weniger geschultem Personal zum Einsatz gebracht werden. 
Bei der Ausbildung wurde die optimale Positionierung der medizinischen Geräte (Notfallrucksack, Sauerstoff und AED), das Auffinden der Person und die richtige Abfolge der therapeutischen Maßnahmen geschult. Die Übungen erfolgten im Zweier-Team, Teamführer (TF) und Teamhelfer (TH). Im Algorhythmus sind die Aufgaben klar auf beide Helfer verteilt. Der TF kümmert sich primär um die Diagnosesicherung und um die Sicherung der Atemwege, während der TH die zuerst benötigten Geräte vorbereitet. Der TF sitzt am Kopf des Patienten und übernimmt die Führung während des Einsatzes und koordiniert alle Maßnahmen. Doch entscheidend für den Erfolg ist eine gute Teamarbeit, die sich nach entsprechenden Übungen verbesserte. 
Um alle Maßnahmen professionell und zum richtigen Zeitpunkt durchführen zu können ist eine entsprechende Ausbildung und ständige Fortbildung notwendig. 
Alle Feuerwehrfrauen und -männer, die in Glückstadt rund um die Uhr für den medizinischen Notfall bereitstehen, verfügen mindestens über eine feuerwehrtechnische Grundausbildung, einen 100-stündigen First-Responder-Lehrgang und eine 16-stündige AED-Schulung. Hinzu kommen zahlreiche Fortbildungen in Theorie und Praxis, die das Erlernte vertiefen und festigen sollen.

First-Responder-Ausrüstung

Die First-Responder-Ausrüstung orientiert sich an der Ausrüstung des Rettungsdienstes, ist aber auf die Verhältnisse der First Responder in Glückstadt zugeschnitten. Es werden alle erforderlichen medizinischen Geräte für eine qualifizierte Erste Hilfe Leistung in allen Einsatzsituationen vorgehalten. Die First Responder wurden im Umgang mit diesen Geräten geschult und sind auf die Geräte eingewiesen.

Im Einsatzfahrzeug der First Responder, dem KdoW mit dem Funkrufnamen Florian Steinburg 30/10/1, wird die Ausrüstung der First Responder vorgehalten. Hierzu gehören: Notfallrucksack mit Sauerstoffflasche und Defibrillator(AED) und eine Tasche mit HWS-Immobilisationsset . Ausserdem ist das Fahrzeug standartmäßig mit Funkgeräten im 2- und 4-Meterbereich, Material zur Verkehrsabsicherung, FW-Verbandskasten, Warnwesten, Decken, etc. ausgerüstet.

Ist das Fahrzeug anderweitig unterwegs, rückt die FR-Mannschaft mit dem LF 16/12, Florian Steinburg 30/44/1 aus, das über eine ähnliche medizinische Ausstattung verfügt.

Da eine Lagemeldung vor allem bei Verkehrsunfällen das weitere Einsatzgeschehen erheblich mitentscheidet, ist eine qualifizierte frühzeitige Lagemeldung eine wichtige Aufgabe der First Responder. Aber auch bei häuslichen Notfällen ist eine Lagemeldung wichtig. Zur Kommunikation mit der Rettungsleitstelle aus der Wohnung des Patienten werden die Handfunkgeräte oder aber Handys genutzt. Diese können auf den Kanal der Rettungsleitstelle umgestellt werden, somit ist eine schnelle direkte Kommunikation möglich.

Notfallrucksack

Bei der Beschafffung wurde ein Rucksack einem Notfallkoffer vorgezogen, da dieser von der Einteilung besser ist und wesentlich besser getragen werden kann. Dies kommt der Mannschaft vor allem bei längeren Wegen z.B. in hohen Hausern, zu gute. Die Ausstattung ist an die DIN 13232, dem Notfall-Arztkoffer, angelehnt. Somit ist man für alle Einsatzsituationen ausgerüstet, auch wenn es darum geht, einem vor Ort befindlichen Arzt zu assistieren. Auf die Bevorratung von Medikamenten wurde verzichtet.

Der Notfallrucksack verfügt über folgende Komponenten:

  • Diagnostik: Blutdruckmannschetten für Erwachsene und Kinder, Stethoskop, Blutzuckermessgerät, Diagnostikleuchte
  • Absaugung: manuelle Absaugpumpe der Firma Weinmann, Modell ManuVac mit einer Auswahl an Absaugkathetern
  • Beatmung: Kombinierter Beatmungsbeutel für Erwachsene und Kinder Masken Grösse 2,3 und 5 und Beatmungsfilter (Sauerstoffreservoir wird in der Sauerstofftasche mitgeführt)
  • Infusion: Hautdesinfektionsmittel, Tupfer, Stauschlauch, Fixierpflaster, Braunülen in div. Grössen
  • Verband: Rettungsdecke, Mullkompressen, Fixierbinden, Verbandpäckchen, Wundschnellverband, Dreiecktücher, Verbandtücher
  • Intubation: Laryngoskop mit Spateln Gr. 1 bis 4, div. Endotrachealtuben, Magillzange, Blockerspritze, Mullbinde, Führungsstab, Xylocaingel, div. Guedeltuben (Kombination mit Beatmung und Absaugung)
  • Sauerstoffflasche und Verbrauchsmaterial zur Sauerstoffinhalation (Nasensonden, Sauerstoffbrillen und -masken)
    Der Druckminderer ist einstellbar zwischen 0 und 15 l/min. Um im Falle einer Beatmung am Einsatzort Zeit zu sparen, ist der Sauerstoffschlauch für den im Rucksack mitgeführten Beatmungsbeutel direkt am Druckminderer  angeschlossen.
  • sonstiges: im Rucksack befindet sich neben oben genanntem Material noch div. weitere Ausrüstung,

HWS-Immobilisationstasche

In der Tasche wird ein Satz Halskrausen. Der Satz besteht aus Stifnecks in verschiedenen Grössen: BabyNoNeck, Pediatric, NoNeck, Short, Regular und Tall. Dazu kommt noch ein Stifneck Select, bei dem die Grössen NoNeck bis Tall eingestellt werden können. Durch die unterschiedlichen Größen ist es möglich jeden Patienten optimal im HWS-Bereich zu immobilisieren.

Um die kleineren Patienten vom Notfallgeschehen abzulenken, sind im Notfallrucksack auch einige Stofftiere untergebracht.